Wenn die Eltern plötzlich zum Pflegefall werden
Die ersten vierzehn Tage – was jetzt wirklich wichtig ist
Ein Sturz, ein Schlaganfall, eine Diagnose – und von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Meist steht die Entlassung aus dem Krankenhaus schon fest, bevor die Familie überhaupt begriffen hat, was passiert ist.
Diese Reihenfolge hat sich bewährt. Sie ist nicht vollständig, aber sie bringt die Dinge in die richtige Abfolge.
1 Sprechen Sie mit dem Sozialdienst des Krankenhauses
Jedes Krankenhaus hat einen Sozialdienst, und er ist gesetzlich zum Entlassmanagement verpflichtet. Melden Sie sich dort, sobald absehbar ist, dass die Versorgung zu Hause nicht wie zuvor funktionieren wird – nicht erst am Tag der Entlassung.
Der Sozialdienst kann Kurzzeitpflege organisieren, Hilfsmittel veranlassen und den Pflegegrad-Antrag anstoßen. Nutzen Sie diese Stelle. Sie ist kostenlos und kennt die Abläufe.
2 Stellen Sie sofort den Pflegegrad-Antrag
Ein Anruf bei der Pflegekasse genügt. Entscheidend ist das Datum, denn Leistungen fließen ab dem Monat der Antragstellung – nicht rückwirkend.
Warten Sie nicht ab, bis klar ist, wie es weitergeht. Der Antrag lässt sich immer noch zurückziehen; verlorene Monate bekommen Sie nicht zurück.
3 Klären Sie Ihre eigene Freistellung
Als naher Angehöriger haben Sie Anspruch auf eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung von bis zu zehn Arbeitstagen, um eine Versorgung zu organisieren. Für diese Zeit können Sie Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse beantragen.
Darüber hinaus gibt es die Pflegezeit und die Familienpflegezeit für längere Freistellungen. Informieren Sie Ihren Arbeitgeber früh – nicht erst, wenn Sie schon drei Tage gefehlt haben.
4 Schauen Sie sich die Wohnung an
Gehen Sie mit anderen Augen durch: Wo sind Stolperfallen? Ist das Bad noch nutzbar? Führt der Weg zum Schlafzimmer über eine Treppe?
Vieles lässt sich schnell lösen – Haltegriffe, ein Nachtlicht, weg mit den Teppichläufern. Größere Umbauten wie eine bodengleiche Dusche werden von der Pflegekasse bezuschusst, sobald ein Pflegegrad vorliegt.
5 Entscheiden Sie sich nicht sofort für das Heim
Unter Zeitdruck wirkt der Heimplatz oft wie die einzige Lösung. In vielen Fällen ist er es nicht. Eine Kurzzeitpflege verschafft Ihnen bis zu mehrere Wochen Zeit, um in Ruhe zu entscheiden – finanziert aus dem gemeinsamen Jahresbudget.
Nutzen Sie diese Zeit, statt eine Entscheidung zu treffen, die sich später nur schwer zurücknehmen lässt.
6 Holen Sie sich Unterstützung – kostenlos
Pflegestützpunkte beraten neutral und kostenfrei; es gibt sie in fast jedem Landkreis. Auch die Pflegekasse selbst ist zur Beratung verpflichtet.
Und wenn Sie wissen möchten, ob eine Betreuung zu Hause in Ihrer Lage funktionieren kann: Rufen Sie uns an. Wir sagen Ihnen ehrlich, was möglich ist – auch dann, wenn die Antwort lautet, dass es gerade nicht passt.