Sieben ehrliche Prüffragen für Familien, die vor der Entscheidung stehen.
Wenn die Eltern Unterstützung brauchen, steht schnell die Frage im Raum: Kommt eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause infrage? Die ehrliche Antwort lautet: Für viele Familien ja – aber nicht für alle. Und es ist besser, das vorher zu klären als hinterher.
Die folgenden sieben Fragen stelle ich in Beratungsgesprächen regelmäßig. Sie sind nicht als Verkaufsargumente gedacht, sondern als Prüfsteine. Wer sie für sich beantwortet, weiß danach deutlich besser, ob dieses Modell zur eigenen Situation passt.
1. Welche Unterstützung wird tatsächlich benötigt?
Geht es vor allem um Hilfe im Alltag, im Haushalt, bei Mahlzeiten, bei der Körperpflege und um Begleitung? Oder werden medizinische Versorgung, eine ständige Überwachung oder mehrere nächtliche Einsätze benötigt?
Diese ehrliche Einschätzung zeigt, welche Aufgaben eine Betreuungskraft übernehmen kann und wo möglicherweise zusätzliche Unterstützung erforderlich ist.
2. Wie lässt sich die betroffene Person behutsam an die neue Situation heranführen?
Viele ältere Menschen können sich zunächst nicht vorstellen, mit einer fremden Person unter einem Dach zu leben. Diese Zurückhaltung ist vollkommen verständlich und bedeutet nicht automatisch, dass die Betreuung nicht funktionieren wird.
Aus meiner Erfahrung lösen sich viele Bedenken bereits nach einer kurzen Eingewöhnungszeit – sobald die Betroffenen merken, dass sie Unterstützung, Sicherheit und Gesellschaft erhalten und trotzdem in ihrem vertrauten Zuhause bleiben können.
3. Was wird benötigt, damit die Versorgung zu Hause sicher gelingt?
Bei eingeschränkter Mobilität, Sturzgefahr, Demenz oder Weglauftendenz gibt es heute zahlreiche Pflegehilfsmittel und technische Lösungen. Dazu gehören beispielsweise ein Pflegebett, geeignete Transferhilfen, ein Hausnotruf, Sturzsensoren oder Türalarmsysteme.
Auch ein ambulanter Pflegedienst kann bei medizinisch notwendigen Tätigkeiten ergänzend eingebunden werden. Fehlen einzelne Hilfsmittel zu Beginn, ist das deshalb noch kein Ausschlussgrund – vieles lässt sich passend zur jeweiligen Situation organisieren.
4. Erwarten wir Betreuung – oder einen Menschen, der rund um die Uhr verfügbar ist?
Der Begriff „24-Stunden-Betreuung“ führt häufig zu falschen Vorstellungen. Keine Betreuungskraft kann Tag und Nacht durchgehend arbeiten. Sie benötigt Schlaf, Pausen, Freizeit und Rückzugsmöglichkeiten.
Wenn eine Familie eine lückenlose Einsatzbereitschaft erwartet, ist dieses Modell nicht das richtige.
5. Können wir der Betreuungskraft angemessene Lebens- und Arbeitsbedingungen bieten?
Dazu gehören ein eigenes Zimmer, Privatsphäre, Internet, ausreichende Verpflegung, geregelte Pausen und vor allem ein respektvoller Umgang. Die Betreuungskraft ist weder eine Hausangestellte für die gesamte Familie noch rund um die Uhr abrufbar.
6. Können wir uns eine legale Betreuung auch langfristig leisten?
Die Betreuung wird häufig nicht nur für einige Wochen, sondern über Monate oder Jahre benötigt. Neben den monatlichen Betreuungskosten können Reisekosten, zusätzliche Pflegedienste, Hilfsmittel oder Vertretungen hinzukommen. Leistungen der Pflegekasse können zusätzlich entlasten.
Mehr zu den Kosten einer 24-Stunden-Betreuung
7. Welche Betreuungskraft passt wirklich zu unserem Angehörigen und seinem Alltag?
Nicht allein gute Deutschkenntnisse oder langjährige Erfahrung entscheiden darüber, ob eine Betreuung dauerhaft funktioniert. Ebenso wichtig sind Persönlichkeit, Einfühlungsvermögen, Ruhe, gemeinsame Interessen und der passende Umgang mit den Gewohnheiten des älteren Menschen.
Je genauer die Bedürfnisse und Erwartungen im Vorfeld geklärt werden, desto gezielter kann eine Betreuungskraft ausgewählt werden, die fachlich und menschlich passt.
Wie geht es weiter?
Wenn Sie diese Fragen für sich durchgegangen sind und den Eindruck haben, dass eine 24-Stunden-Betreuung passen könnte, sprechen wir darüber. Die Beratung führen wir telefonisch – kostenlos und unverbindlich.
Und wenn Sie nach diesen sieben Fragen zu dem Schluss kommen, dass es nicht passt: Auch das ist ein gutes Ergebnis. Eine Betreuung, die von Anfang an auf falschen Erwartungen beruht, hilft niemandem.
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Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem LinkedIn-Newsletter „Wenn Eltern Hilfe brauchen“.